Neuhof Textil-Holding AG
Bericht des Vorstands an der Hauptversammlung vom 16. August 2011
Sehr geehrte Damen und Herren,
auch meinerseits ein herzliches Willkommen heute hier in Hof.
Vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Unternehmen.
Der Geschäftsbericht für 2011 ist allen denjenigen zugegangen, deren Adressen uns bekannt sind und er liegt hier aus. Er entspricht den Veröffentlichungen, die für eine Aktiengesellschaft im Freiverkehr gelten.
Ich werde Sie über die signifikanten Abläufe des Berichtsjahres Informieren.
Wie den meisten unter Ihnen bekannt ist, fungiert unsere Holding AG als Mutterunternehmen für ihre Beteiligungsgesellschaften und deren Verwaltung.
Wenn Sie erlauben möchte ich mit der operativen Gesellschaft, der Spinnerei Neuhof GmbH & Co. Abwicklungs KG beginnen, die das Geschehen innerhalb der Holding AG dominiert und das Ergebnis maßgeblich beeinflusst hat.
Wie Ihnen bekannt sein wird, hat die Gesellschaft nach einem verlustreichen Jahr 2009 am 16.02.2026 Insolvenz angemeldet. Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens erfolgte am 01.05.2010, als Verwalter wurde Herr Joachim Exner aus der renommierten Anwaltskanzlei Dr. Beck & Partner bestellt.
Der Betrieb lief unter der Regie des Insolvenzverwalters ohne Unterbrechung weiter mit dem Ziel, ihn an einen Investor zu übergeben. Es hatten sich mehrere Interessenten gemeldet, die allerdings keine befriedigenden Angebote vorlegten.
Das einzige seriöse Übernahmeangebot wurde aus dem Kreis des Hauptkunden Cramer in Heek vorgelegt unter der Führung von Herrn Werner Kandel. Nach sorgfältigen Verhandlungen und der Ausarbeitung aller notwendigen Verträge sowie der erforderlichen Finanzierungszusage der begleitenden Bank übernahm die neu gegründete „Die Spinnerei Neuhof GmbH & Co. KG“ am 01.11.2025 im Rahmen eines Asset Deals den Spinnereibetrieb.
Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Neuhof Verwaltungs GmbH & CO. Immobilien KG und unserer Gesellschaft auf Grund von Bürgschaften und Mithaftungen für Darlehen, Leasing und andere Verpflichtungen gegenüber den Mitarbeitern der Spinnerei war unsere Ausgangssituation alles andere als rosig. Die Banken stellten Ihre Ansprüche von rund 700 TEUR sofort fällig. Unsere liquiden Mittel waren im Wesentlichen durch Zuschüsse und Darlehen an die Spinnerei aufgebraucht. Die Spinnerei hatte seit über einem Jahr keine Miete mehr für das Betriebsgrundstück bezahlt und der Insolvenzverwalter machte eine unentgeltliche Nutzung unseres Grundstücks geltend. Es drohte die Illiquidität.
Die Verhandlungen zogen sich bis zum November 2010 hin, konnten aber erfolgreich abgeschlossen werden.
Mit dem Insolvenzverwalter wurde ein Vergleich abgeschlossen werden, wonach unsere Gesellschaften von sämtlichen Verpflichtungen gegenüber Dritten vollständig abgelöst wurden. Darüber hinaus wurde die Neuhof Textil-Holding AG von Pensionsverpflichtungen befreit, soweit diese durch Rückdeckungsversicherungen abgedeckt waren. Dies war nicht so selbstverständlich, als diese Versicherungen die insolvente Betriebsgesellschaft abgeschlossen hatte. Wir sind mit dem Insolvenzberater übereingekommen, dass ab August 2010 wieder eine Miete bezahlt wird und für das ganze Jahr die Nebenkosten erstattet werden. Wie gesagt: Hierauf bestand kein Rechtsanspruch. Zuletzt verzichtete der Insolvenzverwalter auf Forderungen gegenüber unserer Tochtergesellschaft Neuhof Verwaltungs-Gesellschaft mbH von rund 20 TEUR.
Neben drei weiteren Investoren hat sich auch unsere Tochtergesellschaft Neuhof Verwaltungs GmbH & CO. Immobilien KG an der neuen Betriebsgesellschaft durch Einbringung eines Teils des Betriebsgrundstücks in Höhe von nominal 249 TEUR am Kommanditkapital von insgesamt 1 Mio. € beteiligt. Die Höhe der Beteiligung erlaubte gerade noch eine Bezuschussung des Asset Deals durch öffentliche Mittel. Von einem geschäftsführenden Gesellschafter hat die finanzierende Bank eine persönliche Bürgschaft gefordert. Die Finanzierung drohte zu an dessen Weigerung zu scheitern. Die Neuhof Textil-Holding AG hat darauf hin Sicherheiten für das Risiko dieses Gesellschafters gegeben. So hat unsere Gesellschaft entscheidend am Erhalt der Spinnerei und der damit einhergehenden rund 180 Arbeitsplätzen beigetragen.
Die neue Spinnerei hat im Rumpfgeschäftsjahr vom 01.11. bis 31.12.2025 mit einem Jahresüberschuss von 74 TEUR abgeschlossen und signalisiert, dass man 2011 bei aktueller Vollbeschäftigung mit positiven Ergebnissen rechnet.
Die Neuhof Verwaltungs GmbH Immobilien KG das Betriebsgrundstück seit November 2010 an die neue Betriebsgesellschaft vermietet. In 2015 hat die Mieterin das Recht, das Betriebsgrundstück käuflich zu erwerben.
Neben dem Betriebsgrundstück und der Beteiligung am neuen Spinnereibetrieb hält die Neuhof Verwaltungs GmbH Immobilien KG ihre Beteiligung an der Euro Val GmbH & Co. Erste Beteiligungs KG. Die Entwicklung des Fonds ist gut.
Der Jahresabschluss der Neuhof Verwaltungs GmbH Immobilien KG weist ein Eigenkapital von 1,5 Mio. EUR und einen Jahresüberschuss von 254 TEUR aus, der als Beteiligungsertrag bei unserer Gesellschaft verbucht ist.
Zu erwähnen ist noch, dass seit 2010 in unserer Tochtergesellschaft keine Arbeitnehmer mehr beschäftigt werden, und somit keine Personalkosten mehr anfallen.
Der Vollständigkeit halber ist noch die Komplementärin Neuhof Verwaltungs-Gesellschaft mbH zu erwähnen, die keinerlei Aktivitäten betreibt und leicht positiv abschloss.
Ich bin nunmehr bei der Neuhof Textil-Holding AG gelandet, in der alle Beteiligungsschicksale zusammenlaufen.
Bei der Beurteilung des Jahresabschlusses ist zu berücksichtigen, dass die durch das Bilanzrechtsmodernisierungs-Gesetz eingeführte große Reform der Rechnungslegung sich wesentlich ausgewirkt hat.
So werden die eigenen Anteile nunmehr vom Eigenkapital abgesetzt, was jedoch sich nicht materiell auswirkt.
Die Pensionsverpflichtungen wurden nach den neuen Regeln zum 1.1. um rund ½ Mio. EUR höher bewertet als zum 31.12. des Vorjahres. Sie finden diese Aufwendungen in der Gewinn- und Verlustrechnung unter Ziff. 10 „außerordentliche Aufwendungen“. Zu betonen ist, dass die Umstellung auf die Bewertung nach neuem Recht in einem Zug in diesem Abschluss verarbeitet ist. Auf die vom Gesetzgeber ermöglichte Streckung der Aufwendungen auf bis zu 15 Jahre haben wir bewusst verzichtet. Die Aufwendungen aus der Aufzinsung der Rückstellungen sind in der Gewinn- und Verlustrechnung nunmehr unter der Ziff. 7 „Zinsen und ähnliche Aufwendungen“ zu zeigen.
Die nicht betriebsnotwendigen Grundstücke unserer Gesellschaft stehen unverändert zur planmäßigen Verwertung. In 2010 wurde ein kleines Grundstück veräußert. In diesem Jahr ist es gelungen, die Villa und ein weiteres Grundstück zu vermarkten. Für andere Grundstücke gibt es Interessenten, ob es aber zu weiteren Verkäufen kommt, lässt sich aber nicht absehen.
Für 2011 prognostizieren wir ein positives Ergebnis. Aus der Beteiligung an unserer Tochtergesellschaft werden wir ausreichend Gewinne realisieren können, um die Verwaltungskosten und die Pensionsverpflichtungen zu decken. An Ausschüttungen ist angesichts eines noch verbleibenden Verlustvortags von rund 1,2 Mio. EUR freilich derzeit nicht zu denken.
Am Ende meines Vortrags möchte ich noch erwähnen, dass unser langjähriger Prokurist Thomas Heimbach kaufmännischer Leiter der neuen Spinnerei wurde. Herr Heimbach hat uns dessen ungeachtet auch im letzten Jahr tatkräftig unterstützt. Hierfür und für seine langjährige wertvolle Mitarbeit sage ich herzlichen Dank.
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und erwarte Ihre Fragen, nicht ohne erwähnt zu haben, dass ich Ihre Anregung der letzten Hauptversammlung aufgegriffen habe und eine Homepage einrichten ließ. Aktuelles über unsere Gesellschaft können Sie also künftig dort nachlesen.
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